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Die
Karikatur: Vom Ursprung bis zur heutigen politischen
Zeichnung
von
Werner M. Mergner
Die
erste Nummer der "Fliegenden Blätter"
vom 07.
November 1844 erschien im Münchner Verlag "Braun
u. Schneider" unter der Redaktion von Kaspar Braun
und Friedrich Schneider.
Die
"Fliegenden" sollten, wie es damals hieß:
"hinausflattern in die Welt, Mißstände aufdecken,
leise Lehren geben und die Menschen fröhlich machen".
Zu
den "Fliegenden Blättern" gesellten sich allein
in Bayern 14 neue satirische Zeitschriften.
Darunter
die bekanntesten und langlebigsten: Der "Münchner
Punsch", eigentlich als Faschingszeitung gegründet
und die "Leuchtkugel".
Rudolf
Wilke, Eduard Thöny und vor allem Wilhelm Busch waren
die herausragenden Zeichner ihrer Zeit.
Gesellschaft
allgemein, Königs- bzw. Kaiserepochen wurden mit "spitzer
Feder" auf´s Korn genommen und mit dem Zeichenstift
"gegeißelt".
Das
Wort "Karikatur", aus dem Lateinischen kommend,
bedeutet: Überladen, übertreiben, überzeichnen.
Das
Wesentliche, hervorstechende Merkmale, werden vom Karikaturisten
"überspitzt", sprich stark übertrieben, dargestellt.
Wilhelm
Busch, der in Deutschland meist nur durch seine Bildergeschichten
(Max und Moritz, Fips der Affe oder Maler Klecksel)
bekannt wurde, zeichnete in seiner "Münchner Zeit"
sehr viele scharf politische und gesellschaftskritische
Karikaturen.In den 12 Jahren seiner Arbeit für die "Fliegenden
Blätter", zeichnete Wilhelm Busch rund 800 Blätter.
Von
1858 - 1870 war er mit Karikaturen in dieser satirischen
Zeitschrift tätig.
Nachdem
Ende der "Fliegenden Blätter" gab ein gewisser
Julius Marchner (ein Regensburger Journalist) die "Neuen
Fliegenden" heraus.
Der
"Simplicissimus", eine satirische Zeitschrift,
herausgegeben von Albert Langen und Thomas Theodor Heine,
wurde im Jahre 1896 in München gegründet. Die zu dieser
Zeit besten Zeichner aus ganz Deutschland machten den
"Simpl" (Volksmund) zur besten satirischen
Wochenzeitschrift Deutschlands.
Vor
allem der Karikaturist Karl Arnold, Zeichner und späterer
Miteigentümer des Blattes, verhalf dem "Simplicissimus"
zu Weltruf! Das Blatt war bissig und mißfiel sehr oft
der "hohen Obrigkeit" und weckte wie aus einem
damailigen Leitartikel zu entnehmen ist, schlafende
Geister!
Der
"Simpl" nannte sich "Illustrierte Wochenzeitschrift".
Frank Wedekind, Albert Langen und Thomas Theodor Heine
waren die besten Karikaturisten ihrer Epoche. Politische
Zustände, die "feine" Gesellschaft, das Militär
und auch Hochadel und Kaiser bzw. Könige wurden beißend
verspottet und manchmal erregte der "Simpl"
die Behörden seiner Zeit. Den Weltruf des Blattes begründeten
später vor allem Olaf Gulbransson, Karl Arnold und Eduard
Thöny.
1914
wurde der Druck dieser "Illustrierten Wochenzeitschrift"
eingestelt.
Durch
den
Einbruch des 1. Weltkrieges, wirtschaftliche Schwächen
des Blattes und "weil eben die ganz große Zeit
des ´Simpl´ vorbei war", wurde die allerletzte
Nummer im September des Jahres 1914 herausgegeben.
Wilhelm
Busch, den ich gerne als Vater des Zeichentricks bezeichne,
war es, der mit seinen "Bildergeschichten"
den Grundstein der modernen "Comic-Strips"
legte.
Was
der amerikanische Zeichner Walt Disney 1901 - 1966 mit
Riesenaufwand und mit einer Weltproduktion (über 1000
Zeichner arbeiteten an einem abendfüllenden Trickfilm)
schuf, war von Wilhelm Busch bereits lange vorher aus-
bzw. vorgedacht worden.
Einzelne
Zeichnungen, sprich Karikaturen, aneinandergereiht als
"Bildergeschichte" wie es W. Busch bezeichnete,
sind die Vorläufer und praktisch Vorgänger des Zeichentrickfilms
unserer modernen Zeit.
Auch
unsere heutige Zeit hat ihre satirischen Blätter:
Die
in den 60er bzw. 70er Jahren sehr bekannte Zeitschrift
"Pardon", oft totgesagt, aber nie totzukriegen,
die Zeitschrift "MAD" (ein amerikanisches
Satire-Magazin) und die humorvolle Zeitschrift "Titanic".
Die
reine politische Karikatur kann man aber nur in Magazinen
von Format, Tages- oder Regionalzeitungen betrachten.
Zu
den heute bekanntesten und damit meistbeschäftigsten
Zeichnern der Gegenwart, gehören:
Horst
Haitzinger, Walter Hanel, Hans Traxler, Ernst-Maria
Lang, Luis Murschetz, Kurt Halbritter, Lutz Backes-Bubec,
Franziska Bilek und Werner M. Mergner.
Die
Cartoonisten von Weltruf sind:
Der
Franzose Sempé, der Engländer Searle, der Südtiroler
Paul Flora und für Deutschland Vicco von Bülow, besser
bekannt unter seinem Pseudonym "Loriot".
Portraitkarikaturisten
gibt es in Deutschland gerade eine Handvoll.Der bekannteste
ist zweifellos Lutz Backes, unter dem Pseudonym "Bubec"
auch in Amerika bekannt. Im "Lexikon der Superlative"
sowie dem "Guinness-Buch der Rekorde" ist
/ war er als "schnellster Portraitist der
Welt mit einigen Zeichnungen vertreten. Die tagespolitischen
Karikaturen sind meist auf die Leitartikel oder bestimmte
Glossen und Artikel abgestimmt.
Eine
politsche Zeichnung soll mit "wenigen Strichen"
(dies ist eigentlich das Hauptanliegen der meisten Karikaturisten)
einen Kommentar abgeben!
Eine
politsche Karikatur sollte also mindestens soviel ausdrücken
wie ein geschriebener Artikel oder Bericht!
Die
"Politische Karikatur" lebt, im Gegensatz
zu den vielen Cartoon- und Witzzeichnungen, von ihrer
Aktualität!
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Begriffserklärungen:
CARTOON:
Eine gezeichnete,
satirische Geschichte in Bildern.
COMIC-STRIP:
Gezeichnete Bilderfolgen mit meist komischen Inhalt
(vom engl.kommend: "drollige, komische Streifen")
KARIKATUR:
Bildliche Darstellung, die stark
übertreibt, Merkmale herausstellt und lächerliche macht.
Das
italienische "carcare" heißt: überladen, überzeichnen
(Coppyright
© 2005 by Werner Michael)
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